Wirkstoffe im Überblick

Boceprevir

Boceprevir ist ein Proteaseinhibitor, der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmen und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Boceprevir wurde 2011 für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die Therapie erfolgt ausschließlich in Kombination mit Peg-Interferon und Ribavirin. Außerdem ist sie nur für Patienten mit dem Virus-Genotyp 1 möglich.

Häufige Nebenwirkungen von einer Therapie mit Boceprevir sind u.a. Anämie (verstärkt durch Ribavirin), Anfälligkeit für Infektionen, Übelkeit bis hin zu Angstzuständen, Depression

Daclatasvir

Daclatasvir ist ein NS5A-hemmer, der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmt und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Daclatasvir wurde 2014 für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Behandelt werden können die Genotypen 1 bis 4 –in unterschiedlichen Kombinationen mit Peg-Interferon, Ribavirin und/oder Sofosbuvir. Mit der Zulassung von Daclatasvir als Kombinationstherapie mit Sofosbuvir steht erstmals eine allgemein Interferon-freie Therapie für Genotyp-1-Patienten zur Verfügung.

Nebenwirkungen in einer Therapie mit Daclatasvir sind u.a. Ermüdung, Kopfschmerzen, Übelkeit.

Ledipasvir/Sofosbuvir

Ledipasvir ist ein NS5A-Hemmer,der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmt und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Ledipasvir ist nicht als Einzelsubstanz verfügbar. Es wurde im November 2014 als Fixkombination mit dem Polymerasehemmer Sofosbuvir zugelassen. Behandelt werden können die Genotypen 1 und 4 sowie bestimmte Patienten mit dem Genotyp 3, die entweder bereits eine Zirrhose haben und/oder erfolglos vorbehandelt sind.

Häufige Nebenwirkungen der Fixkombination Ledipasvir und Sofosbuvir sind Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Peg-Interferon

Medikament, das bei der Therapie der Hepatitis C gespritzt wird (i.d.R. 1x wöchentlich). Interferon stimuliert das Immunsystem, damit es besser gegen das Hepatitis C-Virus kämpft. Häufigste Nebenwirkung von Interferon sind Grippe-ähnliche Beschwerden.

Bei einer Therapie der chronischen Hepatitis C wird Interferon immer mit anderen Wirkstoffen kombiniert (Ribavirin und/oder ggf. weitere Wirkstoffe wie Proteaseinhibitoren oder Polymeraseinhibitoren).

Ribavirin

Ribavirin ist ein Medikament, das bei der Therapie der chronischen Hepatitis C zusätzlich zu Interferon und/oder anderen Wirkstoffen gegeben wird. Es hemmt die Virusvermehrung und erhöht die Wirksamkeit der Therapie. Mit Ribavirin alleine kann nicht therapiert werden. Eine häufige Nebenwirkung von Ribavirin ist Anämie (Blutarmut).

Simeprevir

Simeprevir ist ein Proteaseinhibitor, der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmt und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Simeprevir wurde 2014 für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Behandelt werden können die Genotypen 1 oder 4 –in unterschiedlichen Kombinationen mit Peg-Interferon, Ribavirin oder Sofosbuvir.

Nebenwirkungen in einer Therapie mit Simeprevir sind u.a. juckende Hautausschläge, erhöhte Lichtempfindlichkeit und Atembeschwerden.

Sofosbuvir

Sofosbuvir ist ein Polymeraseinhibitor, der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmen und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Sofosbuvir wurde 2014 wurde für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Alle Genotypen (1 bis 6) können behandelt werden – allerdings in unterschiedlichen Kombinationen mit Peg-Interferon und/oder Ribavirin.

Nebenwirkungen in einer Therapie mit Sofosbuvir scheinen hauptsächlich durch Interferon und/oder Ribavirin ausgelöst zu sein.

Telaprevir

Telaprevir ist ein Proteaseinhibitor, der ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmen und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern kann. Telaprevir wurde 2011 für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die Therapie erfolgt ausschließlich in Kombination mit Peg-Interferon und Ribavirin. Außerdem ist sie nur für Patienten mit dem Virus-Genotyp 1 möglich.

Häufige Nebenwirkungen von einer Therapie mit Telaprevir sind u.a. juckende Hautausschläge, Anämie, Anfälligkeit für Infektionen, Übelkeit oder auch analer Schmerz/Juckreiz.

Häufige Fragen

Ich kenne meinen Genotyp nicht. Was jetzt?

Die Behandlung der chronischen Hepatitis C ist Genotyp-basiert. Das heißt, die sechs Virus-Genotypen (jeder Virustyp) werden unterschiedlich behandelt: Mit anderen Wirkstoffkombinationen oder für unterschiedliche Zeitdauer.

Wenn Sie wissen wollen, welche Behandlung für Sie persönlich in Frage kommt, fragen Sie Ihren Arzt nach Ihrem Genotyp. Möglicherweise finden Sie den Genotyp auch in Patientenunterlagen, die Sie erhalten haben.

Warum ist es wichtig, ob ich vorbehandelt bin?

Grundsätzlich gilt: Patienten, die bereits eine erfolglose Therapie gegen chronische Hepatitis C gemacht haben, können erneut behandelt werden. Allerdings muss die Vorbehandlung bei der Therapieauswahl entsprechend berücksichtigt werden (siehe unten).

Wenn Sie angeben, dass Sie vorbehandelt sind, werden im Ergebnis zusätzliche Informationen eingeblendet (z.B. Heilungschancen für vorbehandelte Patienten).

Für die Auswahl einer geeigneten Behandlung sind bei vorbehandelten Patienten verschiedene Punkte zu berücksichtigen:

1. Die „alte“ Therapie hat nicht angeschlagen. Die Medikamente konnten das Virus nicht eliminieren:

a) Non-Response oder Null-Response: Die Medikamente konnten das Virus von Beginn der Therapie an nicht genügend unterdrücken (Non-Response) oder überhaupt nicht unterdrücken (Null-Response). Wahrscheinlich wurde die Therapie deshalb vorzeitig abgebrochen.

b) Relapse (Rückfall): Während der Therapie konnten die Medikamente das Virus unterdrücken. Nach Therapie-Ende ist das Virus „zurückgekommen“. Sie hatten einen Rückfall.

2. Sie haben die Therapie nicht vertragen und mussten aufgrund von Nebenwirkungen die Behandlung abbrechen.

Patienten mit Relapse (Rückfall) haben mit den neuen Wirkstoffen mit die besten Chancen auf Heilung. Bei diesen Patienten hat das Virus bereits auf Interferon und Ribavirin angesprochen. Durch die Zugabe einer dritten Substanz kann das Virus eliminiert werden.

Wenn Sie eine Therapie aufgrund von (Interferon- oder Ribavirin-)Nebenwirkungen abbrechen mussten, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ab wann eine Therapie für Sie verfügbar ist, die ohne Interferon oder Ribavirin auskommt.

 

Warum ist es wichtig, ob ich eine Zirrhose habe?

Eine Leberzirrhose kann eine Einschränkung für die Therapie sein. Die meisten Therapien sind für Patienten mit Zirrhose zugelassen, aber nur, wenn es sich um eine anfängliche, kompensierte Zirrhose handelt. Das heißt, wenn die Leberfunktion nicht beeinträchtig ist. Wenn Sie angeben, dass Sie eine Zirrhose haben, werden im Ergebnis zusätzliche Informationen eingeblendet (z.B. Heilungs-Chancen für zirrhotische Patienten).

Die aktuellen Hepatitis-C-Substanzen sind derzeit nicht für Patienten mit fortgeschrittener Zirrhose (dekompensierte Zirrhose) zugelassen, die eigentlich sehr dringend eine Behandlung benötigen würden. Inwieweit sich dies in den kommenden Jahren durch neu zugelassene Substanzen ändert, muss abgewartet werden.

Wie aussagekräftig ist das angezeigte Ergebnis?

Sie erhalten als Ergebnis der Therapieübersicht die aktuell in Deutschland zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassenen Kombinationstherapien. Es werden Ihnen alle Therapien angezeigt, die für den von Ihnen angegebenen Genotyp zugelassen sind.

Diese Übersicht kann allerdings nur einen groben Anhaltspunkt bieten, welche Behandlung grundsätzlich für Sie in Frage kommen könnte. Es handelt sich um eine Vereinfachung und keinesfalls um eine Therapie-Empfehlung.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie persönlich in Frage kommt. Weitere Faktoren, die wir hier nicht abfragen können, müssen berücksichtig werden. Zum Beispiel Ihr Gesundheitsstatus (weitere Erkrankungen), Unverträglichkeiten, weitere Virus-Subtypen oder Ähnliches.