Stärker als Hepatitis C

1 2

Chronische Hepatitis C ist oft heilbar.

Ab dem Jahr 2014 wurden (und werden noch) eine Reihe neuer Medikamente zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Für viele Patienten ergeben sich dadurch neue Therapiemöglichkeiten. Auch Interferon und/oder Ribavirin werden immer häufiger verzichtbar.


Experten gehen davon aus, dass eine grundlegende Veränderung der Therapie begonnen hat, die sich in den nächsten Jahren noch fortsetzen wird: Die Behandlung wird für viele Patienten einfacher, kürzer und verträglicher. Auch die neuen Medikamente können jedoch Neben- und Wechselwirkungen haben.

Die passende Therapie finden!

Nicht jede Therapie kommt für jeden Patienten in Frage. Manche Medikamente wirken z.B. nur gegen bestimmte Genotypen des Hepatitis-C-Virus. Auch weitere Faktoren wie z.B. eine Leberzirrhose oder eine erfolglose Vortherapie spielen eine Rolle für die Wahl der Therapie.

Wenn Sie Hepatitis-C-Patient sind, können Sie auf dieser Seite herausfinden, welche Therapien grundsätzlich für Sie zugelassen sind.

Wichtig: Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, welche Behandlung für Sie persönlich in Frage kommt. Die Inhalte dieser Seite können keinesfalls eine Therapieempfehlung geben, sondern Ihnen lediglich einen ersten Eindruck über die grundsätzlichen Möglichkeiten verschaffen. Bitte wenden Sie sich auch beim Auftreten von Nebenwirkungen an Ihren Arzt.

Häufige Fragen

Therapie: Was hat sich seit 2014 geändert?

Seit 2014 wurden in Deutschland zahlreiche Wirkstoffe einer neuen Generation von Hepatitis–C-Medikamenten zugelassen. Diese neuen Medikamente können das Hepatitis-C-Virus effektiver bekämpfen. Die Therapiezeiten werden kürzer. Auf die Zugabe von Interferon kann heute praktisch immer verzichtet werden, und auch Ribavirin ist nur noch in bestimmten Fällen notwendig. Dies macht die Behandlung verträglicher. Die Therapie wurde auch einfacher. Weniger Einnahmevorschriften müssen beachtet werden.

Die einzelnen Wirkstoffe können untereinander auf verschiedene Weise kombiniert werden. Mittlerweile gibt es auch mehrere Kombinationstherapien, bei denen mehrere Wirkstoffe in einer Tablette enthalten sind. Der behandelnde Arzt wird je nach Ausgangsvoraussetzungen für den einzelnen Patienten eine geeignete Behandlung zusammenstellen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie sinnvoll ist.

Therapie: je nach Patient unterschiedlich.

Welche Behandlung (welche Wirkstoffkombination) für den einzelnen Patienten in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

- Genotyp des Virus: Es gibt 6 verschiedene Hepatitis-C-Genotypen (Virentypen). Je nach Genotyp gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze. Einige Medikamente sind nur für die Behandlung bestimmter Genotypen zugelassen. In Europa ist der Genotyp 1 am häufigsten, gefolgt von den Genotypen 2 und 3.

- Gesundheitszustand: Neben Leberzirrhose können auch Nierenschäden oder andere chronische Erkrankungen einschränkend für die Behandlung sein.

- Vorbehandlung: Es kann relevant sein, ob ein Patient schon einen erfolglosen Therapieversuch gegen chronische Hepatitis C unternommen hat und warum genau die Therapie nicht geklappt hat – z.B. ob, die Behandlung wegen Nebenwirkungen abgebrochen wurde oder ob die Medikamente das Virus nicht ausreichend unterdrücken konnten.

- Weitere Faktoren: Zusätzliche Faktoren wie Subtypen der Genotypen oder genetische Faktoren beim Patienten können ebenfalls relevant für die Therapiewahl sein. Bei einigen Therapien haben außerdem Patienten mit einer niedrigen Viruslast (wenig Viren im Blut) bessere Heilungs-Chancen. Auch danach kann sich die Therapieauswahl richten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlung für Sie persönlich in Frage kommt.

 

Therapie: Heute praktisch immer Interferon-frei

Für alle Patienten stehen mittlerweile (Stand: 2016) Hepatitis-C-Therapien zur Verfügung, die ohne Interferon auskommen. Interferon wird allgemein nicht mehr empfohlen und nur noch in Ausnahmefällen mit sehr hartnäckigen Infektionen angewendet, um die Wirksamkeit zu verstärken.

Interferon war wegen seiner Nebenwirkungen von vielen Patienten gefürchtet. Typisch sind grippeähnliche Symptome, Schlafstörungen oder auch Depression. - Auch Ribavirin (neben Interferon Bestandteil der meisten Kombinationstherapien) kann eigene Nebenwirkungen haben. Hierzu gehört vor allem eine Blutarmut (Anämie).

Neben- und Wechselwirkungen sind auch durch die neuen antiviralen Substanzen möglich. Interferonfrei bedeutet also nicht immer nebenwirkungsfrei.

Wesentlich für die Auswahl einer geeigneten Therapie ist nicht nur die Wirkstoffkombination, sondern auch die individuellen Heilungschancen oder die Therapiedauer.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Therapie für Sie persönlich in Frage kommt und ob Sie ggf. noch warten können oder wollen, bis weitere Kombinationstherapien  zugelassen werden.

Ich habe schon eine Therapie hinter mir. Was muss ich beachten?

Patienten, die bereits eine erfolglose Therapie gegen chronische Hepatitis C gemacht haben, können erneut behandelt werden. Für die Auswahl einer geeigneten Behandlung sind dabei verschiedene Punkte zu berücksichtigen:


1. Die „alte“ Therapie hat nicht angeschlagen. Die Medikamente konnten das Virus nicht eliminieren:

a) Non-Response oder Null-Response: Die Medikamente konnten das Virus von Beginn der Therapie an nicht genügend unterdrücken (Non-Response) oder überhaupt nicht unterdrücken (Null-Response). Wahrscheinlich wurde die Therapie deshalb vorzeitig abgebrochen.

b) Relapse (Rückfall): Während der Therapie konnten die Medikamente das Virus unterdrücken. Nach Therapie-Ende ist das Virus „zurückgekommen“. Sie hatten einen Rückfall.

Im Interferon-Zeitalter waren die Heilungschancen beim zweiten Therapieversuch besser, wenn Patienten beim ersten Versuch zumindest vorübergehend auf Interferon angesprochen und erst später einen Rückfall erlitten hatten (Relapse). Wer schon beim ersten Versuch kaum bzw. gar nicht auf Interferon angesprochen hatte (Non- und Nullresponse),  hatte auch viel geringere Chancen bei einem erneuten Versuch mit einer Interferon-haltigen Therapie.

Dies scheint für heutige Interferon-freie Therapien nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zu gelten. Selbst wenn Interferon-haltige Therapien bei Ihnen in der Vergangenheit komplett versagt haben, haben Sie wahrscheinlich ähnlich hohe Heilungschancen mit neuen Substanzen wie andere Patienten. In einigen Fällen wird man eine Interferon-freie Therapie aber ggf. länger oder intensiver durchführen.

Falls bereits eine Interferon-freie Therapie bei Ihnen nicht funktioniert hat, ist ebenfalls ein erneuter Versuch möglich. Das Vorgehen ist je nach Patient unterschiedlich; behalten Sie hier die aktuellen Leitlinien im Auge. Möglich sind Therapieverlängerungen, Zugabe von weiteren Wirkstoffen oder Ausweichen auf andere Substanzklassen. Vor einem neuen Therapieversuch sinnvoll sein, Ihr Blut auf resistente Viren zu untersuchen. Je nach Ergebnis wird dann die Wahl der neuen Medikamente an Ihre Situation angepasst.

2. Sie haben die Therapie nicht vertragen und mussten aufgrund von Nebenwirkungen die Behandlung abbrechen.

Wenn Sie eine Therapie aufgrund von Interferon-Nebenwirkungen abbrechen mussten, sagt dies nichts darüber aus, wie Sie eine Interferon-freie Therapie vertragen werden. Die meisten Patienten, welche Erfahrung mit beiden Therapieformen haben, berichten über deutlich weniger Nebenwirkungen bei Interferon-freien Therapien. Die neuen Therapien können zwar eigene Nebenwirkungen haben, sind aber eine völlig neue Substanzklasse.

Bei einigen Interferon-freien Therapien kommt je nach Patient weiterhin Ribavirin hinzu, um die Heilungschancen zu erhöhen; falls Ihr Arzt Ihnen Ribavirin empfiehlt, Sie aber schon eine Vortherapie aufgrund von Ribavirin-Nebenwirkungen abbrechen mussten, besprechen Sie mit ihm, ob bei Ihnen auch eine Ribavirin-freie Therapie möglich ist.

Zugelassen - aber auch empfohlen?

Die Therapie der Hepatitis C entwickelt sich rasant weiter. Unser Therapietool stellt alle derzeit zugelassenen Therapien – mit und ohne Interferon – neutral und nicht wertend nebeneinander. Hierzu gehören auch Therapien, die heute zwar immer noch zugelassen, aber nicht mehr üblich sind.

Die hier vorgestellten Daten beruhen ausschließlich auf der so genannten „Fachinformation“ der einzelnen Medikamente. Die Fachinformation ist wie ein ausführlicher Beipackzettel für Ärzte und regelt meist sehr genau, in welcher Dosis und wie lange ein Medikament je nach Patient eingesetzt wird.

Aus rechtlichen Gründen dürfen wir auf dieser Webseite keine Empfehlung bestimmter Therapien aussprechen bzw. von bestimmten Therapien abraten.

Es gibt hierfür jedoch offizielle Expertenempfehlungen/Leitlinien für die Therapie der Hepatitis C, die regelmäßig aktualisiert werden: Sie finden diese auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e.V. unter folgendem Link: http://www.dgvs.de/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/

Kann ich mir meine Therapie selbst aussuchen?

Eher nein. Sie können eine HCV-Therapie natürlich ablehnen, wenn Sie diese nicht wünschen. Umgekehrt können Sie Ihren Arzt aber nicht dazu zwingen, Ihnen eine bestimmte Therapie zu verschreiben. Hier hat der Arzt die so genannte „Behandlungshoheit“.

Selbst wenn Ihr Arzt es gut mit Ihnen meint, kann er Ihnen leider nicht jeden Therapiewunsch erfüllen! Auch Ärzte müssen sich an bestimmte Vorgaben halten, da sie sonst erhebliche Probleme bekommen können.

Gerade die neu zugelassenen Hepatitis-C-Medikamente sind im ersten Jahr nach der Zulassung sehr teuer. Aktuell liegen die Kosten von neuartigen Interferon-freien Therapien zwischen ca. 45.000 bis weit über 100.000 Euro. Grundsätzlich können die neuen Medikamente von Ärzten verschrieben und dann auch von den Krankenkassen erstattet werden.

Eine große Sorge von Ärzten ist aber, dass sie von Ihrer Krankenkasse eine so genannte „Regressforderung“ bekommen. Wenn ein Arzt eine Verschreibung aus Sicht der Kasse nicht überzeugend begründet, kann die Kasse versuchen, ihn privat für die Kosten haftbar zu machen. Angesichts der hohen Kosten der neuen Medikamente können solche Regressforderungen für eine Arztpraxis oder Klinikambulanz im Einzelfall existenzbedrohend sein.

Um sich gegen Regressforderungen abzusichern, orientieren sich Ärzte daher bei der Verschreibung vor allem an drei Dingen:

1. der Fachinformation eines Medikamentes. Die Fachinformation ist wie ein ausführlicher Beipackzettel für Ärzte und regelt u.a., in welcher Dosis und wie lange ein Medikament je nach Patient eingesetzt wird.

2. offiziellen Therapieleitlinien bzw. Expertenempfehlungen. Diese gehen über die Fachinformation hinaus und beruhen auf aktuellen Studien sowie der Erfahrung von Experten im klinischen Alltag. Viele Krankenkassen erkennen die Leitlinien an. Sie finden die offiziellen deutschen Expertenempfehlungen auf http://www.dgvs.de/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/


3. ob der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bei einem neuen Medikament einen so genannten „Zusatznutzen“ feststellt: Dabei wird gefragt, ob ein neues Medikament besser ist als die bisher verfügbare Standardtherapie, also ob es z.B. weniger Nebenwirkungen hat und/oder besser wirkt. Der G-BA ist ein Expertengremium, das sich aus Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen, Krankenhäuser, niedergelassenen Ärzte sowie mitberatenden Patientenvertretern zusammensetzt.

Die Verschreibung der neuen Substanzen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C könnte bald einfacher werden, wenn mehr Daten verfügbar sind, die Preise sinken und klarere Regelungen zwischen Ärzten, Krankenkassen und Herstellern gefunden werden.

Falls Sie Hepatitis-C-Patient sind: Fragen Sie in Ihrer Facharztpraxis oder Klinikambulanz nach, welche Therapiemöglichkeiten für Sie zur Verfügung stehen. Falls man Ihnen eine gewünschte Therapie nicht sofort verschreiben kann oder will, verlieren Sie nicht den Mut! Behalten Sie die aktuelle Entwicklung im Auge und machen Sie ggf. in drei oder sechs Monaten einen erneuten Termin. Alternativ können Sie auch von Ihrem Recht auf eine Zweitmeinung (bei einem anderen Hepatitis-Spezialisten, Uniklinik, etc.) Gebrauch machen.

Aktuelle Projekte

Stärker als Hepatitis C

Chronische Hepatitis C ist oft heilbar.

Das Eco-Hep Projekt

Wieviel kostet es, Hepatitis C in Deutschland zu eliminieren?

Lebertest 2.0

Leberkrankheiten können jeden treffen

Hepatitis C? Am besten jetzt behandeln.

Therapie der Hepatitis C

Lebensqualität und Selbstmanagement bei PBC

Zentrale Informationsplattform pbcnews.info ist online.