Hepatitis C im Zeitverlauf

Das Hepatitis-C-Virus wurde erst 1989 entdeckt. Ein Grund auch, warum bis 1991 viele Betroffene durch Bluttransfusionen und Blutprodukte mit dem Virus infiziert wurden. Eine Heilung der chronischen Hepatitis C durch Medikamente (Interferon kombiniert mit Ribavirin) gelingt seit den 1990er-Jahren – allerdings mit Heilungsraten unter 40%. Bessere Heilungschancen, aber auch mehr Nebenwirkungen, bringen die 2011 zugelassenen Proteaseinhibitoren Boceprevir und Telaprevir, die zusätzlich zu Interferon und Ribavirin gegeben werden – die sog. Triple-Therapie.

Seit 2014 ändert sich vieles in der Behandlung der chronischen Hepatitis C. Zahlreiche neue Substanzen werden zugelassen und machen es nun oft möglich, auf das nebenwirkungsreiche Interferon zu verzichten. Die Therapiezeit hat sich mittlerweile stark verkürzt und liegt nun meist bei 8 bis 12 Wochen. In Studien mit den neuartigen Kombinationstherapien wurden deutlich weniger Nebenwirkungen beobachtet und trotzdem hohe Heilungsraten erreicht, die oft über 90% liegen.

Leber & Lebererkrankungen:
Antike, Mittelalter und 19. Jahrhundert

400 BC Der griechische Arzt Hippokrates beschreibt einen Leberabszess.
100 AD Der griechische Arzt Galen sieht die Leber als Hauptorgan des Körpers und stellt ihren Zusammenhang mit Galle und Milz fest.
1685 Govard Bidloo veröffentlich den anatomischen Atlas Anatomia Humani Corporis, welcher auch eine menschliche Leber zeigt.
1875 Victor Charles Hanot beschreibt Gelbsucht durch Leberzirrhose sowie andere Lebererkrankungen.

20. Jahrhundert:
Transplantation & Entdeckung der Virushepatitis

1963 Erste Lebertransplantation durch Thomas E. Starzl. Der erste Patient verstirbt beim Eingriff, zwei weitere überleben nur sieben und 22 Tage; in den folgenden Jahren wird diese Operation jedoch viele Leben retten.
1966 Das Hepatitis-B-Virus wird von Baruch S. Blumberg entdeckt. Bereits drei Jahre später wird der erste Impfstoff gegen Hepatitis B entwickelt – ebenfalls durch Blumberg.
1973 Hepatitis A: Das Virus wird durch Stephen M. Feinstone entdeckt.
1974 Forscher rätseln über Hepatitis-Infektionen nach Bluttransfusionen, die weder auf Hepatitis A noch B zurückgehen („Non-A-Non-B-Hepatitis“). Zunächst vermutet man verschiedene Erreger. A.M. Prince und Kollegen schlagen den Begriff „Typ-C-Hepatitis“ vor. Der Begriff „Hepatitis C“ setzt sich jedoch erst 14 Jahre später durch, als der Erreger entdeckt wird.
1978 Entdeckung des Hepatitis-D-Virus durch Mario Rizzetto und John Gerin
1983 Das Hepatitis E-Virus wird identifiziert durch Mikhail Balayan.
1986 Obwohl das Hepatitis-C-Virus noch nicht entdeckt ist, werden erste Therapieversuche mit Interferon für Patienten mit „Non-A Non-B Hepatitis“ gestartet. Die Erfolge können zunächst nur indirekt gemessen werden, indem sich Leberwerte und der Zustand des Lebergewebes verbessern.

HEPATITIS C:
Entdeckung des Virus und Therapie

1988/89 Das Hepatitis-C-Virus wird entdeckt durch Michael Houghton, Que Lim Choo und Kollegen.
ab 1990 Interferon alfa wird als Einzelmedikament gegen Hepatitis C eingesetzt. Die Heilungserfolge sind mit 0 bis 20% sehr gering.
1997 In der Therapie der chronischen Hepatitis C wird Interferon mit Ribavirin kombiniert. Höhere Heilungsraten (30-40%) um den Preis von mehr Nebenwirkungen.
2001 Die akute Hepatitis C ist in 90% durch Interferon alfa heilbar
2001/2 Peg-Interferon alfa-2b und alfa-2a werden gegen Hepatitis C zugelassen.
2002

Der experimentelle Proteasehemmer BILN 2061 wirkt direkt gegen Hepatitis C-Viren. Wegen Herzschäden bei Versuchstieren wird die Substanz nicht weiterentwickelt, hat aber Signalwirkung für die Erforschung weiterer antiviraler HCV-Wirkstoffe.

2004 Das Hepatitis-C-Virus wird erstmals im Elektronenmikroskop sichtbar gemacht.
2011 Die Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir werden für den Genotyp 1 der Hepatitis C zugelassen. Beide Medikamente müssen weiter mit Peg-Interferon und Ribavirin kombiniert werden. Die Behandlung dauert je nach Patient 24 bis 48 Wochen.
2011 Erste Interferon-freie Heilungen der Hepatitis C in frühen Studien; ab 2014/15 wird auf allgemeine Markteinführung gehofft.
2014 Der Polymerasehemmer Sofosbuvir wird für die Behandlung der chronischen Hepatitis C für alle Genotypen 1-6 zugelassen (in Kombination mit anderen Wirkstoffen).
2014 Im Mai wird der Proteasehemmer Simeprevir für die Behandlung der chronischen Hepatitis C bei den Genotypen 1 und 4 zugelassen (in Kombination mit anderen Wirkstoffen).
2014 Daclatasvir, ein NS5A-Hemmer wird Ende August für die Behandlung der chronischen Hepatitis C bei den Genotypen 1 bis 4 zugelassen (in Kombination mit anderen Wirkstoffen).
2014 Im November wird die die Fixkombination des NS5A Hemmers Ledipasvir mit Sofosbuvir für die Behandlung der chronischen Hepatitis C bei den Genotypen 1,3, und 4 zugelassen.
2015 Im Januar wird die Fixkombination Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir und eine weitere Tablette mit Dasabuvir (mit oder ohne Ribavirin) für den Genotyp 1a und 1b zugelassen. Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir ist zudem für den Genotyp 4 zugelassen und wird dort mit Ribavirin kombiniert.
2016 Im Juli wird die Fixkombination Sofosbuvir/Velpatasvir für die Behandlung der Genotypen 1 bis 6 zugelassen.
2016 Im Juli wird die Fixkombination Grazoprevir/Elbasvir für die Behandlung der Genotypen 1 und 4 zugelassen.