Wichtige Begriffe und Glossar

Anämie

Blutarmut. Häufige Nebenwirkung der Therapie mit Ribavirin; verstärkt bei der Kombinationstherapie mit Ribavirin und den Proteasehemmern Boceprevir bzw. Telaprevir. Durch Abfallen des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin wird der Sauerstofftransport im Blut wird gestört. Symptome sind Luftnot, Schwächegefühl und Konzentrationsprobleme.

Biopsie

Bei örtlicher Betäubung wird Gewebe – z.B. mit einer langen Kanüle – aus dem Organismus entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Die Leberbiopsie gilt immer noch als aussagekräftigstes Verfahren um bei chronischen Lebererkrankungen den Grad der Vernarbung der Leber (Fibrosegrad) und das Ausmaß der Leberentzündung festzustellen.

Fibrose

Als Folge der chronischen Leberentzündung werden Leberzellen in funktionsloses Stütz- und Bindegewebe umgewandelt. Die Fibrose ist eine Vorstufe der Leberzirrhose. Je nach Ausprägung unterscheidet man von Grad F0 (keine Fibrose) bis zu Grad F4 (Zirrhose).

Genotyp

Es sind aktuell 6 verschiedene Genotypen des Hepatitis C-Virus bekannt, die jeweils unterschiedliche Erbanlagen haben. Bei der Hepatitis C hat der Virus Genotyp Einfluss auf die Wahl der Therapie als auch auf die Aussicht auf Heilung.

HCV

Abkürzung von Hepatitis-C-Virus. Nach einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus kann das Erbgut des Virus (HCV-RNA) im Blut nachgewiesen werden. Wenig später bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Virus aus (HCV-Ak), die dann ebenfalls im Blut nachweisbar sind. Können auch nach 6 Monaten noch HCV-RNA und HCV-Antikörper nachgewiesen werden, ist die Hepatitis C chronisch. Kann die Hepatitis C geheilt werden (natürliche Ausheilung oder durch Therapie), ist kein Virus-Erbgut mehr im Blut vorhanden. Die Antikörper hingegen bleiben auch noch Jahre später im Blut nachweisbar.

HCC – Leberkrebs / Leberzellkrebs

Leberkrebs bzw. Leberzellkrebs. Bösartige Tumorerkrankung. Eine Spätkomplikation der chronischen Leberentzündung. Chronische Virushepatitis ist der häufigste Auslöser von Leberkrebs. Bei Patienten mit chronischer Hepatitis C entsteht Leberkrebs meist, wenn bereits eine Zirrhose vorliegt. Bei der chronischen Hepatitis B hingegen bildet sich der bösartige Tumor in der Leber auch ohne vorherige Zirrhose.

Ikterus

Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten. Ikterus tritt bei der Hepatitis C eher selten auf. Häufiger ist das Symptom bei schweren akuten Verläufe oder als Folge einer Leberzirrhose zu beobachten.

Nachweisgrenze

Ein erstes Ziel der Therapie ist es, mit Medikamenten die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu bekommen. Das muss nicht automatisch heißen, dass das Virus eliminiert ist und nicht mehr vorhanden ist. Es bedeutet nur, dass nicht genug Virus-Erbgut im Blut vorhanden ist, um mit den verwendeten Messmethoden nachgewiesen werden zu können.

Peg-Interferon

Medikament, das bei der Therapie der Hepatitis C gespritzt wird (i.d.R. 1x wöchentlich). Interferon stimuliert das Immunsystem, damit es besser gegen das Hepatitis C-Virus kämpft. Häufigste Nebenwirkung von Interferon sind Grippe-ähnliche Beschwerden.

Bei einer Therapie der chronischen Hepatitis C wird Interferon immer mit anderen Wirkstoffen kombiniert (Ribavirin und/oder ggf. weitere Wirkstoffe wie Proteaseinhibitoren oder Polymeraseinhibitoren).

Polymerasehemmer

Polymeraseinhibitoren sind Wirkstoffe, die ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmen und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern. 2014 wurde der erste Proteaseinhibitor (Sofosbuvir) für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die Therapie erfolgt je nach Genotyp in Kombination mit Peg-Interferon und/oder Ribavirin.

Proteasehemmer

Proteaseinhibitoren sind Wirkstoffe, die ein Enzym des Hepatitis-C-Virus hemmen und das Virus dadurch direkt in seiner Vermehrung behindern. 2011 wurden zwei Proteaseinhibitoren (Boceprevir, Telaprevir) für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die Therapie erfolgt ausschließlich in Kombination mit Peg-Interferon und Ribavirin. Außerdem ist sie nur für Patienten mit dem Virus-Genotyp 1 möglich.

Response

Ansprechen auf eine Therapie. Die heutigen Therapieformen der chronischen Heptitis C sind häufig response-gesteuert: D.h. je nachdem ob und wie schnell ein Patient auf die Behandlung reagiert, wird in der Behandlung fortgefahren. Entscheidend bei der Hepatitis-C-Behandlung ist, ob und wie schnell die Virenmenge (Viruslast) geringer wird. Verschiedene Response-Formen können unterschieden werden:

  • Rapid virological response (RVR): Die Viruslast fällt sehr schnell zu Beginn (innerhalb der ersten 4 Wochen) der Therapie ab und bleibt auch während der Therapie unterhalb der Nachweisgrenze
  • Delayed virological response (DVR): Die Viruslast fällt verzögert ab, bleibt aber dann unterhalb der Nachweisgrenze.
  • Null response (NR): Die Viruslast fällt nur langsam und auch nicht unter die Nachweisgrenze.
  • Breakthrough (BT): Die Viruslast war bereits unter die Nachweisgrenze gefallen. Während der Therapie ist das Virus plötzlich wieder nachweisbar. [Ein Anstieg der Viruslast nach Therapieende ist ein Relapse, s.u.]
  • Sustained virological response (SVR): Auch 6 Monate nach Therapieende ist kein Virus mehr nachweisbar. Die Hepatitis C gilt als geheilt.

Relapse

Rückfall, also das erneute Auftreten einer Erkrankung. Erreicht ein Patient zum Ende der Therapie Virusfreiheit (kein Nachweis von Virus-Erbgut möglich), kann aber einige Zeit später das Virus wieder im Blut nachgewiesen werden, so spricht man von Relapse. Heute geht man davon aus, dass ein Patient geheilt ist, wenn innerhalb 6 Monaten nach Therapieende kein Relapse auftritt.

Ribavirin

Ribavirin ist ein Medikament, das bei der Therapie der chronischen Hepatitis C zusätzlich zu Interferon und/oder anderen Wirkstoffen gegeben wird. Es hemmt die Virusvermehrung und erhöht die Wirksamkeit der Therapie. Mit Ribavirin alleine kann nicht therapiert werden. Eine häufige Nebenwirkung von Ribavirin ist Anämie (Blutarmut).

SVR

Sustained virologic response: dauerhafter Therapieerfolg bei Hepatitis C. Sechs Monate nach Therapieende ist weiterhin keine HCV-RNA im Blut nachweisbar. Das gilt als Heilung der Hepatitis C. Spätere Rückfälle (Relapse) sind selten.

Viruslast

Die Viruslast gibt Auskunft über die Menge der im Blut nachweisbaren Hepatitis-C-Viren. Sie wird in Viruskopien oder -einheiten pro ml Blut angegeben. Eine niedrige Viruslast wirkt sich häufig positiv auf die Heilungsaussichten bei einer medikamentösen Therapie aus.

Zirrhose

Chronische Lebererkrankungen können im Endstadium zu einer Vernarbung der Leber führen. Ist die Leber großenteils vernarbt, nennt man das Zirrhose. Häufige Ursachen sind Virushepatitis, Alkohol, Gifte oder Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen. Bei der kompensierten Zirrhose kann die Leber ihre Funktion noch aufrechterhalten. Treten Funktionsstörungen auf, spricht man von einer dekompensierten Zirrhose.

Häufige Fragen

Ich kenne meinen Genotyp nicht. Was jetzt?

Die Behandlung der chronischen Hepatitis C ist Genotyp-basiert. Das heißt, die sechs Virus-Genotypen (jeder Virustyp) werden unterschiedlich behandelt: Mit anderen Wirkstoffkombinationen oder für unterschiedliche Zeitdauer.

Wenn Sie wissen wollen, welche Behandlung für Sie persönlich in Frage kommt, fragen Sie Ihren Arzt nach Ihrem Genotyp. Möglicherweise finden Sie den Genotyp auch in Patientenunterlagen, die Sie erhalten haben.

Warum ist es wichtig, ob ich vorbehandelt bin?

Grundsätzlich gilt: Patienten, die bereits eine erfolglose Therapie gegen chronische Hepatitis C gemacht haben, können erneut behandelt werden. Allerdings muss die Vorbehandlung bei der Therapieauswahl entsprechend berücksichtigt werden (siehe unten).

Wenn Sie angeben, dass Sie vorbehandelt sind, werden im Ergebnis zusätzliche Informationen eingeblendet (z.B. Heilungschancen für vorbehandelte Patienten).

Für die Auswahl einer geeigneten Behandlung sind bei vorbehandelten Patienten verschiedene Punkte zu berücksichtigen:

1. Die „alte“ Therapie hat nicht angeschlagen. Die Medikamente konnten das Virus nicht eliminieren:

a) Non-Response oder Null-Response: Die Medikamente konnten das Virus von Beginn der Therapie an nicht genügend unterdrücken (Non-Response) oder überhaupt nicht unterdrücken (Null-Response). Wahrscheinlich wurde die Therapie deshalb vorzeitig abgebrochen.

b) Relapse (Rückfall): Während der Therapie konnten die Medikamente das Virus unterdrücken. Nach Therapie-Ende ist das Virus „zurückgekommen“. Sie hatten einen Rückfall.

2. Sie haben die Therapie nicht vertragen und mussten aufgrund von Nebenwirkungen die Behandlung abbrechen.

Patienten mit Relapse (Rückfall) haben mit den neuen Wirkstoffen mit die besten Chancen auf Heilung. Bei diesen Patienten hat das Virus bereits auf Interferon und Ribavirin angesprochen. Durch die Zugabe einer dritten Substanz kann das Virus eliminiert werden.

Wenn Sie eine Therapie aufgrund von (Interferon- oder Ribavirin-)Nebenwirkungen abbrechen mussten, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ab wann eine Therapie für Sie verfügbar ist, die ohne Interferon oder Ribavirin auskommt.

 

Warum ist es wichtig, ob ich eine Zirrhose habe?

Eine Leberzirrhose kann eine Einschränkung für die Therapie sein. Die meisten Therapien sind für Patienten mit Zirrhose zugelassen, aber nur, wenn es sich um eine anfängliche, kompensierte Zirrhose handelt. Das heißt, wenn die Leberfunktion nicht beeinträchtig ist. Wenn Sie angeben, dass Sie eine Zirrhose haben, werden im Ergebnis zusätzliche Informationen eingeblendet (z.B. Heilungs-Chancen für zirrhotische Patienten).

Die aktuellen Hepatitis-C-Substanzen sind derzeit nicht für Patienten mit fortgeschrittener Zirrhose (dekompensierte Zirrhose) zugelassen, die eigentlich sehr dringend eine Behandlung benötigen würden. Inwieweit sich dies in den kommenden Jahren durch neu zugelassene Substanzen ändert, muss abgewartet werden.

Wie aussagekräftig ist das angezeigte Ergebnis?

Sie erhalten als Ergebnis der Therapieübersicht die aktuell in Deutschland zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassenen Kombinationstherapien. Es werden Ihnen alle Therapien angezeigt, die für den von Ihnen angegebenen Genotyp zugelassen sind.

Diese Übersicht kann allerdings nur einen groben Anhaltspunkt bieten, welche Behandlung grundsätzlich für Sie in Frage kommen könnte. Es handelt sich um eine Vereinfachung und keinesfalls um eine Therapie-Empfehlung.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie persönlich in Frage kommt. Weitere Faktoren, die wir hier nicht abfragen können, müssen berücksichtig werden. Zum Beispiel Ihr Gesundheitsstatus (weitere Erkrankungen), Unverträglichkeiten, weitere Virus-Subtypen oder Ähnliches.